Was aktuell gilt: Anordnung, Grenzwert, Fahranfänger

Für Cannabis gibt es eine eigene Vorschrift: § 13a FeV. Danach ordnet die Fahrerlaubnisbehörde ein medizinisch-psychologisches Gutachten an, unter anderem wenn

  • Tatsachen die Annahme von Cannabismissbrauch begründen,
  • wiederholt Zuwiderhandlungen im Straßenverkehr unter Cannabiseinfluss begangen wurden,
  • die Fahrerlaubnis aus einem dieser Gründe entzogen war oder
  • zu klären ist, ob Missbrauch oder Abhängigkeit nicht mehr besteht.

Begründen Tatsachen die Annahme einer Cannabisabhängigkeit, verlangt die Behörde zunächst ein ärztliches Gutachten. Verstöße, die ausschließlich gegen das Cannabisverbot für Fahranfänger (§ 24c StVG) gerichtet waren, zählen für die Wiederholung nicht mit.

Im Straßenverkehr ist ordnungswidrig, wer mit 3,5 ng/ml oder mehr THC im Blutserum ein Kraftfahrzeug führt; kommt Alkohol hinzu, ist die Geldbuße höher (§ 24a StVG). In der Probezeit und vor dem 21. Geburtstag gilt ein vollständiges Cannabisverbot am Steuer (§ 24c StVG). Ausnahmen gelten jeweils für die bestimmungsgemäße Einnahme verschriebener Medikamente.

Was die Untersuchung klären muss, legt Anlage 4a FeV fest: Bei Cannabismissbrauch ohne Abhängigkeit, ob du Konsum und Fahren zuverlässig trennen kannst; hat eine Abhängigkeit vorgelegen, ob eine stabile Abstinenz besteht.

Quellen: § 13a FeV, § 24a StVG, § 24c StVG, Anlage 4a FeV. Wortlaut geprüft am 26.09.2026. Keine Rechtsberatung.

Warum gesetzliche Grenzwerte keine Einzelfallprüfung ersetzen

Gesetzliche Grenzwerte können im jeweiligen Verfahren eine Rolle spielen. Sie ersetzen aber keine individuelle Prüfung der Fahreignung und können sich ändern.

Für die Einordnung werden die konkrete Fragestellung, die Akte und dein nachvollziehbares Verhalten im Gesamtzusammenhang betrachtet. Ein einzelner Wert ist dabei keine vollständige Antwort.

THC-COOH und Konsummuster

THC-COOH ist ein Abbauprodukt von THC und kann Hinweise auf Konsumhäufigkeit und Konsummuster geben. Für die Einordnung ist wichtig, ob es um gelegentlichen, regelmäßigen oder problematischen Konsum geht.

Werte dürfen nicht isoliert bewertet werden, sondern müssen im Zusammenhang mit Akte, Konsumgeschichte, Untersuchungsmaterial und Fahrsituation betrachtet werden. Welche Bedeutung ein Befund im Einzelfall hat, lässt sich nicht allein daraus ableiten.

Muss ich bei Cannabis-MPU abstinent sein?

Das hängt vom Fall ab.

Abstinenz kann erforderlich oder sinnvoll sein, wenn Konsummuster, Werte, Aktenlage oder frühere Auffälligkeiten darauf hindeuten. In anderen Fällen steht eher Trennvermögen, Konsumkontrolle und nachvollziehbare Veränderung im Vordergrund.

Prüfen, ob in meinem Fall Abstinenz nötig ist →

Trennvermögen bei Cannabis

Trennvermögen bedeutet, dass Konsum und Fahren zuverlässig getrennt werden. In der MPU muss nachvollziehbar werden, wie du heute verhinderst, unter Einfluss zu fahren oder riskante Situationen falsch einzuschätzen. Das reicht nicht aus, wenn du sagst „ich fahre nie, wenn ich high bin“. Du musst erklären können, wie die Trennung im Alltag konkret funktioniert – und warum sie stabil ist.

Was prüft der Gutachter im Cannabis-Fall?

  • Konsummuster: Häufigkeit, Menge, Dauer, Anlässe
  • Trennvermögen zwischen Konsum und aktiver Teilnahme am Straßenverkehr
  • Einsicht und ehrliche Aufarbeitung statt Bagatellisierung
  • Nachweisbare Verhaltensänderung und tragfähige Rückfallprophylaxe

Häufige Fehler bei Cannabis-MPU

  • „Cannabis ist legal, also kann nichts passieren“
  • „Ein einzelner Wert beantwortet alle Fragen“
  • THC-COOH ignorieren
  • keinen Unterschied zwischen Konsum und Fahreignung verstehen
  • Mischkonsum mit Alkohol unterschätzen
  • keine klare Veränderung beschreiben können
  • Alkohol-MPU-Logik auf Cannabis übertragen
  • zu spät mit Nachweisen beginnen

Cannabis-MPU nach Fallart / Ausgangslage

Erste Auffälligkeit

Bei einer ersten Auffälligkeit steht die Einordnung des Konsumverhaltens im Vordergrund.

Regelmäßiger Konsum

Ein regelmäßiges Konsummuster führt oft zu höheren Anforderungen an Aufarbeitung und Nachweise.

Hoher THC-COOH-Wert

Hohe Abbauwerte können auf langjährigen oder häufigen Konsum hindeuten und müssen zusammen mit dem Gesamtbild bewertet werden.

Mischkonsum: Cannabis und Alkohol

Mischkonsum wird besonders kritisch betrachtet, weil er auf ein höheres Risikoprofil hindeuten kann. Alkohol-MPU im Detail →

Medizinisches Cannabis

Auch bei medizinischer Verwendung kann eine Fahreignungsprüfung relevant sein. Die individuelle Rechtslage und ärztliche Begleitung sind entscheidend – hier ist keine pauschale Aussage möglich.

Negativer MPU-Versuch

Wer wegen Cannabis bereits durch die MPU gefallen ist, braucht eine gezielte Aufarbeitung des Gutachtens und der eigenen Veränderung. Was nach einem negativen Gutachten wichtig ist →

Vertiefende Themen zur Cannabis-MPU

Gutachterblick

Bei Cannabis wird nicht nur ein einzelner Befund betrachtet. Relevant können dein Umgang mit Cannabis, mögliche Veränderungen und die Unterlagen zur konkreten Fragestellung sein. Pauschale Aussagen ersetzen keine nachvollziehbare Einordnung des eigenen Falls.

Wie du dich richtig auf Cannabis-MPU-Fragen vorbereitest

  • Verstehe deine Akte und die konkrete Fragestellung
  • Arbeite dein Konsummuster ehrlich auf
  • Kläre THC-COOH-Werte und deren Bedeutung
  • Beschreibe dein Trennvermögen konkret
  • Erkläre, was sich verändert hat – nicht nur, dass du jetzt „aufpasst“
  • Trainiere typische Nachfragen, ohne fremde Antworten zu übernehmen

Mehr dazu: MPU-Fragen: Was der Gutachter wirklich wissen will.